Das Theater
Kultureller Jungbrunnen im Quellenviertel
Daß Kabarett, genreübergreifende Theaterprojekte, der Diskurs über strittige Themen und auch Comedy unsere Gesellschaft spiegeln und ins Theater gehören, ist noch nicht lange eine Selbstverständlichkeit. Man schrieb das Jahr 1986, als ein Kreis Aufbruchswilliger in diesem Sinn beschloß: Wir wollen mehr Kultur für die hessische Landeshauptstadt – und zwar selber machen.
In der verschwiegenen Spiegelgasse im Herzen der Stadt fand man im ehemaligen Speisesaal des Pariser Hofs einen Ort, an dem mit sehr großer ehrenamtlicher Hingabe und finanzieller Risikobereitschaft ein sehr kleines Theater gegründet wurde. Dem bunten Gründermix aus Kulturschaffenden, Kunstliebhabern, Humorfans und Organisationstalenten ist es zu verdanken, daß dort eine Programmmischung kredenzt wurde, die schnell ein Publikum fand. Schon bald wurde klar, daß die Theaterarbeit des Teams innovativ, langfristig orientiert und im künstlerischen Bereich von hoher Qualität war. Die damalige Kulturdezernentin Margarethe Goldmann erkannte das für die Kulturpolitik und setzte sich für eine kommunale Förderung des Pariser Hoftheaters ein.
Der Gästeliste mit Namen wie Harald Schmidt oder Michael Mittermeier ist anzulesen, daß so mancher im Laufe seiner Karriere hier Station machte. Innovativ zeigten sich die PHT-Schaffer in Sachen Reihen und Festivals: Truppen wie die »Missfits« traten im Rahmen der »Frauenkabarett-Tage« auf. Das »Schwulen- und Lesben-Festival« gab die Bühne frei für Entertainergrößen wie den damals blutjungen Tim Fischer oder Georgette Dee. Senioren-Theater, Diskussionsreihen wie die »Pariser Hofgespräche« waren die Bausteine des Forumcharakters dieses Kulturhauses, das die Nase immer im Wind des Zeitgeschehens hatte und den Lebensnerv der Gegenwart traf und trifft.

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